Ein Gewässer stirbt aus

„Warum wird ein Laichgebiet an der Fürstenwalder Spree verhindert?“ war in der Ausgabe 3-2014 des „Märkischen Anglers“ nachzulesen. Dieter Drescher, Vereinsbeauftragter des Fürstenwalder Angelvereins 1919, berichtet nun in Auszügen gut anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung des genannten Artikels üben den jetzigen Stand:

Am 16. November 2007 wurde vom damaligen Landwirtschaftsminister, Dr. Dietmar Woidke, unser Projekt für die Renaturierung von zwei Spreealtarmen bei Fürstenwalde genehmigt und mit der Ausführung der Wasser- und Landschaftspflegeverband (WLV) „Untere Spree“ in Hasenfelde beauftragt. Leider wurden von Seiten der Umweltämter falsche Behauptungen akzeptiert und der WLV unterstützt. Als letzte Ablehnungsgründe wurden uns am 13. Juli 2015 vom Präsidenten des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Dirk Ilgenstein, benannt:

- Die Zielstellung und die Vorteile unseres Projektes sind im Wesentlichen erreicht.
- Das Wasser- und Schifffahrtsamt fordert eine Furt zur Überfahrt.
- Der Angelverein übernimmt keine Kosten für Unterhaltung und Erhaltung eines normalen Fußgängerüberganges.
- Die Angler fordern nur eine Brücke, um mit ihrem PKW auf die Insel zu fahren.

Unsere Antwort war: Das Projekt fordert einen normal durchflossenen Altarm wie er 1970 einmal war, ohne Strömungsbremsen, wie eine Furt und einen 100 Meter langen Frischwassergraben (Sohlbreite 70 Zentimeter). Die Furt ist durch einen Fußgängerübergang zu ersetzen, wozu wir eine Stahlbetonrohrlösung mit sieben Quadratmeter Wasserdurchlauffläche angeboten haben.

Der normale Durchfluss im Altarm ist für uns das Wichtigste, denn er verhindert bei Flachwasser und Hitze oder bei Eis auf der Furt, wenn der Wasserdurchfluss gesperrt ist, durch Sauerstoffzufuhr den Tod der Fische.

Besonders verwunderte uns die Ablehnung des Projektes wegen zu hoher Kosten. Anstelle der 100 Meter Frischwassergraben haben wir eine Ausbaggerung mit 8 Meter Sohlbreite, 1,3 Meter Tiefe und 12 Meter Oberweite, wie es ursprünglich im Jahre 1970 war, gefordert. Dieses und noch andere Dinge wurden falsch hochgerechnet, sodass es zu einer Endsumme von 260.000 Euro kam, welche kommentarlos von den Umweltämtern genehmigt wurde, obwohl es sehr viele schriftliche Fehlerhinweise seitens des Fürstenwalder Angelvereins gab.

Da der Oder-Spree-Kanal von Fürstenwalde bis zur Wernsdorfer Schleuse mit 30 Kilometern Länge, das größte und auch am häufigsten genutzte Angelgewässer der 2.600 Mitglieder in 40 Vereinen des Kreisanglerverbandes Fürstenwalde ist, muss auch sein Fischbestand abgesichert werden. Die Kontrollen und Fangergebnisse der letzten zehn Jahre zeigen jedoch eine stark negative Tendenz an. Viele Angelfreunde beangeln deshalb dieses Gewässer auch nicht mehr und weichen lieber auf private Forellenteiche aus.

Von Fischereibiologen wurden zudem nur noch elf Fischarten und diese in geringen Mengen nachgewiesen.

Das erzwungene Stillwasserprojekt war ein Fiasko. Es sind von 2007 bis 2015 durch die Projektverhinderung acht Jahre Fischlaichzeiten ausgefallen und es werden noch mehr hinzukommen! Welcher Jäger geht in ein Jagdrevier ohne Wild? Wir Angler sollen das offenkundig. Die verfügbaren Mittel im Landesanglerverband reichen nicht aus, um alle Fischarten in die Gewässer einzubringen. Es muss etwas passieren!

Ein Gewässer stirbt aus
Ein Gewässer stirbt aus