"Gold-Anke" im Interview

Anke Mühle, Brandenburgs beste Casterin, wurde bei den VII. Weltmeisterschaften der Veteranen im slowakischen Bratislava siebenfache Weltmeisterin. Diese außergewöhnliche Leistung wollen wir damit würdigen, dass die Redaktion des „Märkischen Anglers“ zu diesem Anlass mit unserer „Gold-Anke“ ein kurzes Gespräch führen durfte.

Redaktion: Hallo Anke, Du bist in der Zeit vom 1. bis 5. Juli 2015 siebenfache Weltmeisterin im Casting der Veteranen geworden und hast Dein Leben ja praktisch dem Castingsport verschrieben. Wie bist Du damals zum Casting gekommen und wie viele Jahre übst Du diese Sportart jetzt schon aus?

Anke: Verschreiben können habe ich mein Leben dem Castingsport nicht. Im Jahr 1969 bin ich in den Verein, damals Deutscher Anglerverein in Gildenhall, einem idyllischen Ortsteil von Neuruppin, eingetreten und habe regelmäßig trainiert. Nach 10 Jahren aktiver Wettkampflaufbahn war Schluss. Im Jahr 2007 habe ich wieder begonnen, regelmäßig und viel zu trainieren. So sind es bis heute 18 Jahre. In meinem Heimatort damals gab es Fußball oder Angeln. Fußball mochte ich zunächst noch lieber, um jedoch erfolgreich zu sein, hätte ich wohl eher ein Junge sein müssen. So ging ich Angeln und liebte das auch bald. Meinen ersten Pokal habe ich heute noch: Eine große Blumenvase aus Glas. Irgendwann angelte ich keine Fische mehr, sondern trainierte nur noch auf dem Rasen.

Redaktion: Was ist für Dich das Interessante am Casting? Was also macht für Dich die Faszination Casting aus?

Anke: Ich liebe anspruchsvolle Aufgaben überhaupt sehr. Ich starte in 7 Disziplinen, zwei habe ich vor anderthalb Jahren erst neu gelernt und kann sie noch gar nicht so perfekt. Alle diese Disziplinen mit sechs verschiedenen Ruten, sechs verschiedenen Angelrollen, fünf verschiedenen „Ködern“ und 6 verschiedenen Schnüren in allen ihren Einzelheiten, Besonderheiten, Schwierigkeiten technisch und mental zu beherrschen und innerhalb der wenigen Minuten am Start zu voller Leistung zu bringen ist sehr schwer. Das alles innerhalb der etwa 10 Wettkämpfe im Jahr immer wieder zu meistern ist die Herausforderung. Der Jubel auf dem obersten „Treppchen“ ist dann der krönende Abschluss eines jeden Wettkampfes.

Redaktion: Ihr Caster werdet ja oft von den Anglern etwas belächelt. Stört Dich so etwas noch und was setzt Du diesen Leuten entgegen?

Anke: Belächeln ist immerhin Lächeln. Es ist für mich nicht entscheidend, worin einer Weltmeister ist, solange es nicht kriminell oder unmoralisch wäre. Ich finde es toll z.B. Weltmeisterin in Fliege- Weitwurf zu sein! Es wird ja auch belächelt, dass ich in der Veteranenklasse starte. Das darf man ab 55 Jahren. Nach oben gibt es keine Grenze.

Redaktion: Auch der Castingsport hat sich ja in den Jahren gewandelt. Wo siehst Du Potentiale das Casting noch attraktiver für viele Menschen mehr zu machen?

Antwort: Das weiß ich nicht so genau. Castingsport ist bereits eine höchst attraktive Sportart. Die Ausrichtung der Wettkämpfe liegt auf einem hohen Niveau. Castingsport wird als Einzel- und Mannschaftssport betrieben. Sie fördert die Fähigkeit zur Präzision, und schult Geduld und Ausdauer der Sportlerinnen und Sportler, da es recht lange dauern kann, bis ein Kind oder Jugendlicher alle Disziplinen so gut beherrscht, dass er attraktive Medaillenchancen hat, vorausgesetzt er trainiert regelmäßig. Castingsport erfordert eine gute Konzentration, was bei Kindern und Jugendlichen in der modernen Zeit oft auf der Strecke bleibt. Zudem ist es eine Sportart, die man bis ins hohe Alter betreiben kann, wenn man sich diese Vorteile erhalten will. Castingsport beansprucht unsere Gedächtnisleistung und die Fingerfertigkeit, was mit zunehmendem Alter elementar ist. Zuschauer ins Stadion zu locken ist allerdings schwer, da gab es schon viele Ideen. Applaus und Jubel von den Rängen ist das eine, Höhepunkte, die die Zuschauer auf den Rängen halten, etwas anderes. Kürzlich hatten wir bei einem honorigen Wettkampf einen castingversierten Stadionsprecher, der während der Wettkämpfe die wenigen anwesenden Zuschauer fesseln konnte. Vielleicht ist es das, was weitere anlocken würde.

Redaktion: Eine Frage zum Abschluss. Wie lange möchtest Du denn noch gerne weiterhin aktiv bleiben. Den Erfolg aus Bratislava noch zu toppen, ist ja beinahe unmöglich. Welche Ziele hast Du noch?

Antwort: Fragt ein Berliner Veteran den anderen: „Wie lange würfst Du noch?“ Antwortet der: „Solange ich allein auf das Siegerpodest steigen kann.“ Körperliche und geistige Fitness ist ein entscheidendes Kriterium für den Castingsport, auch wenn es oft angezweifelt wird. Ich erlebe es beim Training und im Wettkampf: Ich brauche alle meine Sinne „auf den Punkt genau“. Es gibt nicht viele Sportarten, die man auch in den Siebzigern noch leistungsstark betreiben kann, ohne sich permanent zu verletzen. Aber sich mit einer solchen Sportart gezielt die Fitness zu erhalten und weiter zu machen, ist schon reizvoll. Die Verteidigung meiner WM- Titel bei der nächsten WM ist auch immer wieder eine  Herausforderung. Den Erfolg zu toppen wäre möglich, wenn ich in einer anderen Klasse starte, nämlich in der Leistungsklasse. Ich würde nicht 7 Goldmedaillen bei einer WM anstreben, das ist utopisch. Aber eine Goldmedaille auf Bundesebene in dieser Kategorie wäre schon grandios. Allerdings müsste ich dazu äußerst effektiv trainieren, was sich derzeit nur schwer mit meinem beruflichen Engagement vereinbaren lässt. Die Wettkampftermine kollidieren an den Wochenenden oftmals mit den Terminen meiner dreijährigen Zusatzausbildung, die ich gerade begonnen habe. Mein aktives Arbeitsleben dauert noch mindestens 10 Jahre. Auch das ist sehr anspruchsvoll, so wie ich es liebe.

Für das Gespräch bedankt sich:
Marcel Weichenhan
Chefredakteur des „Märkischen Anglers“.

Interview mit Anke Mühle
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